Was ist Iaido?

Iaido ist die alte japanische Kunst, das japanische Langschwert, das Katana, gezielt und sicher zu führen. Unsere Schule, das Muso Jikiden Eishin Ryu, stammt aus dem späten 16. Jahrhundert und rechnet 22 Großmeister, Soke, bis hin zum heutigen Soke Ikeda Takaashi Seiko. Einst von den japanischen Samurai gepflegt, ist diese Kunst erst seit ein paar Jahrzehnten dem Westen und auch uns in Deutschland zugänglich. Das Üben besteht aus dem Trainieren festgelegter Formen, Kata, ohne Gegner. Trainiert wird in japanischer Jacke, Kimono, und Hose, Hakama. Dazu wird ein Gürtel, Obi, getragen. Weil das Training ohne Gegner ausgeführt wird, ist die Verletzungsgefahr sehr gering. Iaido eignet sich für jung und alt, für Frauen und Männer. Einstieg ins Training ist jederzeit möglich.

Iaido bedeutet den Weg einer Situation völlig zu entsprechen. Das "i" bedeutet sein, das "ai" passen, übereinstimmen, das "do" heißt Weg. Dies bedeutet im Sinne des Zen völlig im Hier und Jetzt zu leben, durch geübte Aufmerksamkeit nicht nur auf einen Schwertangriff effektiv reagieren zu können, sondern vielmehr in jeglicher SItuation des Lebens adäquat handeln zu können. Das Iai ist damit ein sehr schwieriger Übungsweg, der der Zen-Praxis gleichkommt.

Das Iaido wurde aus dem Kenjutsu, der Schwertkunst der Samurai, entwickelt, als Selbstverteidigung mit Schwert gegen einzelne Überraschungsangriffe, vor allem von Räubern, mit dem Ziel, mit einem einzigen Streich direkt nach dem Ziehen des Schwertes den Angreifer zu töten. Das Üben wurde in festen Bewegungsschema-ta, genannt Kata, ausgeführt, die Szenarien verschiedenartiger Angriffssituationen simulierten - Kampf gegen mehrere Gegner, Kampf in engen Gassen, im Dunkel etc. Die Kata wurden in Gruppen und die Gruppen in Stufen zusammengeführt.

Heute wird das Iaido meistens aus gesundheitlichen, ästhetischen, meditativen und aus Spaßgründen getrieben. Das Training stärkt den Körper, wirkt gegen Rücken- und andere körperliche Probleme und gegen Muskelspannungen und Stress. Iaido ist als Kunstform anzusehen, und ein wichtiges Ziel der Übung ist die Schönheit der Form. Das Iaido bietet auch einen Einblick in eine jahrhundertealte asiatische Kulturtradition im Gebrauch eines der schönsten Kunstwerke die je geschaffen wurden, das japanische Schwert. Das Iaido ist auch vom japanischen Zen-Buddhismus stark geprägt, eine Meditationsübung die auf eine unmittelbare Erfahrung der Wirklichkeit abzielt. Nach langem Üben gelingt es dem Iaidoka ohne Nachdenken die Form auszuführen, und damit in Absichtslosigkeit mit der Form zu verschmelzen. Dies entspricht im Zen einem natürlichen, völlig spontanen Handeln, und ist ein Moment der Selbstlosigkeit, und damit ein Schritt in Richtung der zen-buddhistischen Erleuchtung. Das Üben bringt aber auch sehr viel Freude mit sich, nicht nur durch den reinen Spaß am Training, sondern auch weil man sich durch längeres, intensives Üben zu einem ausgeglicheneren. fröhlicheren Menschen entwickelt.

Das Training besteht aus vier Hauptmomenten: das Ziehen (Nukitsuke), das Schneiden (Kirioroshi), das Abschütteln des Blutes von der Klinge (Chiburi), und das Zu-rückstecken des Schwertes in die Scheide (Noto). Dazu kommen Blockierungen samt verschiedene Positionen und Schritte. Wichtiger Teil des Übens ist auch die Eti-kette (Reigi), wo die Verbeugung und die Schwertpflege die wichtigsten Aspekte sind. Man verbeugt sich vor dem Shomen (der Stirnseite des Raumes), vor dem Leh-rer und den Mitschülern und vor dem Schwert. Geübt wird für Anfänger mit einem Holzschwert (Bokken), meistens aus Eiche, für Fortgeschrittene mit einer Alu-/Zink-klinge oder mit einer stumpfen Stahlklinge (Iaito).

Das Iaido hat ein Graduierungssystem mit je nach Verband drei, fünf oder zehn Anfängergraden (Kyu) und zehn fortgeschrittenen Graden (Dan). Die Kyu sind da damit der Schüler eine Möglichkeit hat sich im Iaido zu orientieren und herausfinden inwieweit das Üben ihm gefällt. Anfänger üben äußerlich (omote), Fortgeschritt-ene sollen innerlich üben. Mit dem ersten Dan sollte die anfängliche Offenheit fürs Lernen durch eine gewisse geistige Festigkeit ergänzt sein. Außer den Kyu und Dan gibt es für hohe Danträger drei Ehrentitel: Renshi (Experte), Kyoshi (Lehrer) und Hanshi (Vorbild). Andere Titel sind Shihan, d.h. administrativ Verantwortlicher, Meijin, d.h. Meister, und Soke, d.h. Schuloberhaupt. Der Titel Sensei wird im heutigen Japan für Lehrer im Allgemeinen gebraucht, hat aber in Budo (der Kampfkunst) auch die Bedeutung Meister. In Japan ist es auch üblich dass ein Iaidoka erst mit dem 5. oder sogar erst mit dem 6. Dan anfängt zu unterrichten.

Die Übungshalle wird Dojo, d.h. Platz des Weges, genannt. Die Ausübenden zeigen dem Übungsplatz ihren Respekt durch eine Verbeugung vor dem Eintritt in und vor dem Verlassen der Halle. Das Dojo hat zwar keinen Tempelstatus, sollte aber ähnlich wie ein Tempel behandelt werden, d.h. es werden die Schuhe ausgezogen be-vor man die Halle betritt und es wird nicht an der Wand gelehnt. Als Platz des Übens der Aufmerksamkeit und der Achtsamkeit im Sinne des Zen umfasst das Dojo nicht nur die jeweilige Turnhalle oder wo man jetzt die Technik übt, sondern die Welt.